Jede Änderung war negativ – Eine subjektive Polemik

Ich stelle zu Beginn eine wohlmöglich etwas provokante These auf: Jede einzelne Änderung an den Stadien unserer Liga seit meiner ersten Abo-Saison (06/07) war eine Verschlechterung.
Die allermeisten Modifizierungen an den Stadien, von der geringfügigen Renovation bis zum Neubau, wurden unter finanziellen Gesichtspunkten gemacht. Geld ist das Blut das durch die Adern der Vereine fliesst. Ohne einen Standard an Vermögen, der nun einmal in jedem Jahrzehnt höher ist als in jenem zuvor, lässt sich ein moderner Club in der obersten Liga nicht mehr führen. Das ist eine unumstössliche Tatsache, deshalb sind rein objektiv wahrscheinlich alle der folgenden Änderungen richtig und wichtig…

Aber bin ich seit damals immer in der ganzen Schweiz unterwegs um alles ausschliesslich schön nach der kapitalistischen Logik gutzuheissen? Natürlich nicht. Für mich waren die Auswärtsfahrten ein Erlebnis. Das Erlebnis begann schon zu Hause, mit dem Kaufen von Verpflegung und dem Einsteigen in den Zug. Steigerte sich während der Fahrt mit guten Freunden und fand seinen Höhepunkt in einem im Idealfall vollen Gästesektor irgendwo im Land. Fuhr man dann nach Hause, hatte man viel zu disktuieren und zu lachen. Oft waren dann auch Leute dabei, die man lange nicht mehr gesehen hatte. Das Ergebnis? Ich gebe es offen zu: Hatte nicht oberste Priorität.
Klar wars toll, wenn wir auswärts mal einen der Grossen überraschend schlugen. Genau so kultig war es aber, wenn wir monatelang fast schon legendär schlecht waren. Egal, man fuhr trotzdem hin.
Keine Frage, ich sah damals die Zukunft breiter und weniger ernüchtert als heute. Darum ist es unmöglich diese Zeit NICHT auch ein wenig zu verklären. Aber ich meine der Erlebnisfaktor war OBJEKTIV höher als er heute ist.

Meine ganz persönlichen Beispiele dafür, was ich heute vermisse:

Platz 1, mit Abstand: EV Zug
Meine ersten paar Spiele im Gästesektor der Herti waren, ohne zu übertreiben, ein Erweckungserlebnis. Genau so hatte ich mir ein Spiel auswärts vorgestellt. Für mich passten die gute Stimmung, der schnelle Zugriff zu Bier und Essen und nicht zuletzt die Möglichkeit in den Pausen mit Zuger Bekannten draussen ein Bier zu trinken. Denke ich daran zurück, mache ich die Herti eindeutig als grösste Lücke für mich persönlich fest. Auch wenn ich seit der Einführung der ID-Kontrolle nicht mehr im Gästesektor der Bosshard-Arena war, der Blick vom Reporterplatz aus reicht um Nostalgie und bad vibrations auszulösen.

Platz 2: SCL Tigers
Die alte Ilfis bleibt mir Erinnerung wegen der guten Gastfreundschaft und vor allem weil wir immer SO VIELE waren. Wir waren viele auf dem Perron im Bahnhof Bern. Wir waren viele auf der Brücke über die Gleise. Wir waren viele im Fandorf und wir waren vor allem viele in dieser unfassbar genialen Slapshot Bar (übrigens das, was ich an Langnau am Meisten vermisse). Ich war seit dem Neubau erst einmal dort und war trotz allem froh, dass viele der alten Elemente auch noch heute dort, auf die eine oder andere Art, zu finden sind. Aber gerade weil es früher für mich nahe an der Perfektion war (mein Gott, Fenster (?!) im Treppenhaus (?!) zum Gästesektor) wird es auch nächste Saison (schön seid ihr wieder da) nicht mehr das Selbe sein.

Platz 3: SC Bern
Mag jetzt vielleicht ein wenig merkwürdig sein, Bern zu wählen. Aber nach meinem Empfinden wars in Bern am Besten, bevor man für die WM 2009 umbaute. Der auch heute noch mächtige Stehplatzbereich war damals von einer noch grösseren Qualität. Abstriche wurden ja seither vor allem im Gästesektor gemacht. Seit der letzten Verkleinerung war ich nicht drin, aber ich sahs von vis-a-vis. Bern auswärts war damals auch noch pulsierender, kribbelnder und ganz am Anfang, als es für micht das einzige Auswärtsspiel im Saisonkalender war, über Wochen vorausgreifend einfach mit Vorfreude verbunden.

Random:
Ambri – Verkleinerung des Gästesektors
Lausanne – Umzug und vor allem Verkleinerung des Gästesektors

Wo fehlt mir der Bezugspunkt zu vorher?
Zürich – Ich kann mir unmöglich vorstellen, dass das neue Hallenstadion nicht ein extremer Niedergang zum Auswärtsfelling von vorher war.
Rappi – Wie war das vor dem Umbau? Gehörte eigentlich noch zu einem meiner Lieblingsstadien.

Lichtblicke
Kloten – Ein bares Austauschen der Sektoren hat nicht gereicht es mir zu vergraulen.
Davos – Blieb zu Recht unberührt.
Lugano – Blieb unberührt. Ist zwar manchmal an der Grenze dazu sich verloren zu fühlen aber der Gästesektor ist toll.
Basel – War mir fast genau so lieb wie Zug. Nur ist das heute tatsächlich noch so wie es damals war. Natürlich weil es auch die viel neuere Halle ist (genau so sollte man übrigens neue Stadien bauen. Für mich der Prototyp des perfekten Hockeystadions. Von der Relation her! Klappt natürlich auch mit 10’000 Plätzen mehr).

Nun also Biel. Das war von den “nahen” Auswärtsspielen nun für einige Jahre mein Lichtblick. Alles was mit Zug und Langnau, mit Abstrichen Bern, wegfiel konnte ich auf Biel projezieren, was meistens hervorragend klappte. Ich freue mich, dass sie ein neues Stadion habe. Sorge mich aber dennoch über die Änderungen, wohl leider auch repressiver Art.

Nur ein Stadion war uns ist nicht gut. Genf, ihr kennt ihn ja den tollen Gästesektor. Ich glaube da hätte ich, vollkommen antizyklisch, nichts gegen eine Auffrischung.

Wieviel schlechter es bei uns selbst ist, als noch vor 9 Jahren, müsste man separat besprechen.

Ich frage mich grade: Wenn ich nun als relativ neuer Fan schon so vielen Dingen nachtrauere, wie muss das für euch viele Anhänger sei die seit dem Aufsteieg oder noch weit darüber hinaus immer dabei ward? Ich kann mir das fast nicht vorstellen, würde es aber gerne hören.

Nicht vergessen:
1. Der Artikel und die Beispiele sind rein subjektiv.
2. Ich betrachte ausschliesslich den Event (für mich Freiheit statt Einzäunung)-Faktor von Stadien und Auswärtsspielen.
3. Ich hätte sehr gerne eure Meinung und eure Erinnerungen und Dinge die ihr vermisst. Schreibt sie doch unten in die Kommentare!

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