Interview mit… Florence Schelling

Unser Interview mit Florence Schelling, Torhüterin der Schweizer Fraueneishockey-Nationalmannschaft
Hinweis: Da der Fokus auf Olympia liegt und die Fragen zeitlich etwas knapp gestellt wurden, bleibt das Thema WM aussen vor. Viel Spass!

 

Herzliche Gratulation zur gelungenen Qualifikation für die Olympischen Winterspiele im nächsten Jahr! Wie waren für dich die Qualispiele in Arosa, vom sportlichen und vom Drumherum her?

Es war fantastisch! Speziell das Drumherum war absolut genial! Das letzte Mal wo wir vor so vielen tollen Fans in der Schweiz spielen durften war an der Heim-WM im 2011. Das es hier aber um Olympische Spiele geht, hat die ganze Atmosphäre noch viel spezieller gemacht!

Es sind bereits deine vierten Spiele, 2006 in Turin warst du mit 17 bereits im Kader. Wie beschreibst du das Gefühl und den Stellenwert Olympionikin zu sein?

In Turin war ich erst 16. Es ist unbeschreiblich, wenn ich nur schon daran denke das ich im Februar meine 4. Spiele spielen könnte, bekomme ich Gänsehaut. Leider hat der Sport und Olympionikin zu sein in der Schweiz nicht so ein grosser Stellenwert als wie zum Beispiel in der USA/Canada.

Wie waren für dich die Anfänge? Wie kamst du zum Eishockeysport und wann wurde dir bewusst, dass du das Zeug für eine Karriere auf höchstem Niveau hast?

Angefangen habe ich durch meine 2 älteren Brüder die Eishockey gespielt haben. Da wollte ich auch immer mitspielen. Zu diesem Zeitpunkt war ich 4 Jahre alt. Bewusst wurde mir das irgendwie nie, es ist einfach so passiert. Ich bin seit ich 13 Jahre alt bin Teil der A-Nationalmannschaft, das ist ganz ungewöhnlich.

Du hast bereits in vielen verschiedenen Ligen gespielt. Elite A und B, 1. Liga und NLB bei den Herren. NLA, US-Collegeliga, CWHL und nun in Schweden bei den Frauen. Wo wird welches Hockey gespielt? Wo gefiel es dir am besten, wo konntest du am Meisten lernen? Was hat dich am meisten geprägt?

Vergleichen kann und will ich diese verschiedenen Ligen gar nicht. Sie sind alle sehr speziell und einzigartig. Jede einzelne Saison in einer dieser Ligen hat mich unglaublich weitergebracht, auf sowie auch neben dem Eis.

Du bist mit Linköping im Playoff-Halbfinal ausgeschieden. Ist das in etwa die erfüllte Zielsetzung des Teams oder lagen die Ziele höher?

Die Ziele lagen höher. Wir wollten Meister werden und dies wäre auch drin gelegen. Leider hatten wir intern Probleme mit Trainern und so weiter die vielen die Energie geraubt hat. Die Energie die vielleicht im entscheidenden Halbfinal Spiel fehlte.

Dein Vertrag läuft ja jetzt zum Saisonende aus. Wie geht es weiter?

Ich habe letztes Jahr im August an der Linköping University ein Wirtschaftsmasterstudium begonnen, dies dauert 2 Jahre. Ich schliesse in rund 2 Monaten mit dem 1. Jahr ab und werde nächste Saison wieder in Linköping spielen und mein Studium abschliessen.

Du bist mit 28 eigentlich erst am Beginn der klassischen Hochphase auf der Goalieposition. Trotzdem verfügst du bereits über einen riesigen Topf an Erfahrung. Wie sehr hilft sie dir in deinem Spiel?

Die Erfahrung die ich hab, macht mich zu dem was ich heute bin. Ich benutze in jeder möglichen Situation meine Erfahrung um richtig „Handeln“ zu können.

Du warst ja in vielen Bereichen eine Pionierin und auch weiterhin die Gallionsfigur der Schweizer Fraueneishockeyszene. Wie kommst du mit dem Trubel klar? Wo liegen die Vor- und die Nachteile der hohen Bekanntheit?

Es gab unglaublich viele Pionierinnen vor mir, die unglaubliche Arbeit geleistet haben, damit das Fraueneishockey da ist wo es jetzt ist. Seit ich zur Nationalmannschaft gestossen bin, bin ich ein Teil davon geworden und versuche mich auch so gut ich kann fürs Fraueneishockey in der Schweiz einzusetzen. Mit dem Trubel klar zu kommen war nicht ganz so einfach. Für mich war es wie über Nacht bekannt zu werden. Vor Sochi haben mich nur wenige gekannt, in Sochi waren wir so abgeschottet vom Rest der Welt, dass ich überhaupt nichts vom ganzen Hype in der Schweiz mitbekommen habe. Als ich dann zurück in der Schweiz war bin ich ziemlich überrannt worden. Solange ich diesen Trubel und die Bekanntheit nutzen kann um das Frauenhockey weiterzubringen, ist alles gut!

Wie beschreibst du die Entwicklung des Schweizer Frauenhockeys während deiner Aktivkarriere? Wie siehst du die Entwicklungen in den nächsten 5-10 Jahren.

Wir haben unglaublich Fortschritte gemacht. Aber nicht nur wir, das Fraueneishockey weltweit hat unglaublich Fortschritte gemacht. Es macht Spass ein Teil dieser Entwicklung zu sein. In den nächsten 5-10 Jahren siehe ich einen hoffentlich grossen Schritt im Schweizer Frauenhockey. Länder wie USA und Kanada zeigen uns ja vor wie es gemacht werden muss und zeigen das Frauen auch Eishockeyprofis sein können. Ich hoffe das wir in der Schweiz in Zukunft auch so einen Schritt machen können.

Wie schaut es auf Nationalmannschaftsebene aus? Werden sich die Teams qualitativ immer mehr angleichen oder dürften die Gräben zwischen den verschiedenen Gruppen von Teams bis auf weiteres bestehen bleiben?

Alle werden besser. Im Gross und Ganzen gleichen sich die Teams immer mehr an, das hat man gerade an der WM gesehen. Deutschland wird Gruppen 1., besiegt Russland. Finnland besiegt Kanada…

Du hast ja neben dem Eishockey auf ich immer auf das zweite Standbein geschaut. Ich nehme an, es ist auf eine gewisse Art auch beruhigend da abgesichert zu sein?

Eishockey war, ist und wird für mich immer ein Hobby sein. Schule, Ausbildung und Job hatten bei mir immer Priorität

Bekommt das Fraueneishockey heutzutage die Aufmerksamkeit das es verdient? Vielleicht auch im Kontext der Gleichberechtigung in der Gesamtgesellschaft?

Nein leider noch nicht.

Was würdest dir wünschen, wie man sich an deine Karriere zurückerinnert, wenn man in 20 Jahren an einem Stammtisch darüber diskutiert?

Ich kann mir nichts für die Vergangenheit wünschen, nur für die Zukunft! 🙂

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