Die Zerrissenheit des Hockeyfans

Seit Jahr und Tag, auf jeden Fall kommt es einem so vor, wird die Altjahrwoche vom Spengler Cup in Davos beherrscht. Kein Hockeyfan kommt drum herum jeden Tag zwei Spiele zu schauen, sich über die grossartige Berichterstattung des Schweizer Fernsehens zu freuen und sich vom Niveau beeindrucken zu lassen welches mas von der Liga her schlicht nicht kennt.
Moment, nein, das mit dem Zynismus sollte ich ja sein lassen hiess es mal.
Bleiben wir ernst: Der Spengler Cup war auch für mich einmal eine ganz grosse Sache. Ich habe mich lange darauf gefreut und versucht keine Sekunde der Spiele zu verpassen. Jedes Jahr war das wie ein Hockey-Overkill der die Feiertage noch ein bisschen verlängerte. Das war aber eine andere Zeit. Was hat sich denn seit damals verändert? Vor allem eines: Ich konnte seit der Lehre viel mehr Spiele besuchen, mir das Abo leisten, oder danach mit dem Drachenradio sehr viel kommentieren. Da schlich sich, ziemlich unmerklich aber stetig, die Gewissheit ein, dass die jedes Jahr an diesem Turnier eigentlich auch nur mit Wasser kochen.
Konkret waren es vor allem die folgenden Punkte:
– Keine Hockeyabstinenz mehr, die nur der Spengler Cup füllen konnte.
– Eine wachsende Abneigung gegenüber des HCD und alles wofür er steht, mit dem Spenglercup als seinem Jahrmarkt.
– Eine kritischere Haltung, schwindende kindliche Naivität und erstes konkretes Erkennen der Zusammehänge von Wirtschaft und Gesellschaft. Auch auf den Sport übertragbar.

Heute ist es komplett anders: Für mich ist der Spengler Cup heute ein Turnier aus der Vorhölle. Ungefähr so als ob man “Sister Act” und “Love, Actually” als Actionfilme bezeichnen würde. Der Spengler Cup ist für mich wie Schlager: Vollkommen weltfremd, stets auf heile Welt getrimmt und immer klebrig, süss und rosa. Absolut eklig! Ich würde mich selbst zwar auch als Pazifisten bezeichnen, aber das muss dann anders gehen als in diesem, in schlechten Momenten beinahe schon inzestuösen, Ballermannhumbug. Ihr seht, mich kann man mittlerweile damit jagen. Das einzige das ich hoffe: Bitte verletzt euch nicht 78 9 8!

Gibt es denn keine Alternativen in dieser Zeit? Natürlich! Heute steigt die Schweiz in die U20 WM ein (bestimmt weniger Zirkus als an A-Natitestspielen) und die NHL geht weiter. Wieso aber nicht sogar ganz Hockeypause? Vielleicht mal Filme oder Serien schauen oder ein gutes Buch lesen? Egal was man macht, man hat fast bei jeder Aktivitä mehr als beim SC schauen.

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